Die Angst als Fessel

Wie viele Beiträge habt ihr schon über das Leben mit der Angst gelesen und somit wertvolle Impulse erhalten, denen ihr beim Lesen zugestimmt habt? Gewiss, sehr viele und alles lieb gemeinte und Mut machende Gedanken, die sich gut anfühlten und Antrieb gaben, es doch endlich selbst anzupacken und sich der Angst zu stellen. Was hindert uns jedoch daran, es auch zu tun und nicht mehr davonzulaufen?

Jede Angst ist eine Fessel
Jede Angst ist eine Fessel

 

Ein Leben mit der Angst ist wie eine Fessel, die uns einschränkt, unbeweglich, starr und einsam macht und uns in die Dunkelheit verbannt. Sie hält uns in uns selbst gefangen und lässt kaum Licht zu.

 

Von der Angst vereinnahmt zu sein, ist für die Seele eine schwere Last, die sie täglich zu tragen hat. Jeder Tag ist aufs Neue ein täglicher Kampf mit uns selbst, den wir mit jedem Gedanken in uns spüren. Wir wenden ständig kostbare Energien auf, um diese Angst, soweit es uns möglich ist, in Schach zu halten. Der Körper befindet sich in einem ruhelosen Ausnahmezustand, was einer Ohnmacht gleichkommt. Die Angst beherrscht uns und sie hat die Führung übernommen. Wir haben somit unser Leben in die Hand der Angst gegeben und uns zum Außenseiter gemacht, der von Menschen, die kein Verständnis zeigen, belächelt und missverstanden wird. Das Leben in der Einsamkeit nimmt seinen Lauf, Tag für Tag und Jahr für Jahr.

Wo kommt die Angst eigentlich her und warum lassen wir sie zu?

 

Ein einschneidendes Erlebnis kann schon eine Initialzündung bieten, um die Angst ins Leben zu holen und nicht mehr loszulassen, womit alles seinen Lauf nimmt. Wir wenden uns somit zunehmend von uns selbst und unserem wahren Seelenkern ab und malträtieren uns. Dieser Qual zu entkommen, räumen wir keine Chance ein und bauen so ein Lügengerüst über uns selbst auf, indem wir nach Ausreden suchen oder in eine Phantasiewelt flüchten. Wir weichen, wann immer es uns möglich ist, der Konfrontation mit der Angst aus, um mit dem damit verbundenen Schmerz, der uns dorthin geführt hat, wo wir sind,  nicht in Berührung zu kommen. Dieses Ausweichen und Verdrängen ist jedoch keine Lösung, weil sie euch weiter behindern und einschränken wird. Die Angst wird Bestandteil eures Lebens bleiben, bis ihr erkennt, dass sie nicht real ist und euch nichts antun möchte, sondern eher ein Signal dafür ist, dass ihr sie nicht mehr bekämpfen, sondern annehmen dürft.

Gefangen in der Dunkelheit
Gefangen in der Dunkelheit

Was könnt ihr tun, um euch der Angst zu stellen?

Stellt euch zunächst die Frage, ob ihr weiter ein Leben in Angst oder in Freiheit führen möchtet. Werdet euch bewusst, was ihr möchtet und stellt dies zur Wahl. Ihr selbst entscheidet immer für euch, in welcher Daseinsform ihr leben möchtet. Wenn euer Wunsch nach einem lebendigen und bunten Leben immer mehr Gestalt annimmt, dann könnt ihr es auch, gepaart mit eurem Willen, der von euch selbst ausgeht, es tatsächlich angehen zu wollen, schaffen. Nutzt euren eigenen inneren Antrieb und eure Überzeugung, um das vorhandene Angstpaket öffnen zu können.

 

Sich der Angst stellen zu wollen, setzt viel Mut voraus, weil ihr in die Zeit, wo alles begann und der Auslöser für den aufkommenden Angstgedanken und die damit verbundenen Emotionen liegt, zurückgeht. Das ist der schwerste Schritt, den ihr zu machen habt, wenn ihr eurem selbst erschaffenen Leiden ein Ende setzen möchtet. Ihr begebt euch in die Lebensphase, in der ihr den Ursprung erkennt, wo alles begann, wovor ihr Angst habt und warum. Ihr könnt eurer Angst nur begegnen, wenn ihr in sie erneut hineinfühlt und sie annehmt. Ein weiteres Weglaufen oder Ablehnen würde euch nicht aus diesem inneren Gefängnis befreien, sondern nur noch mehr seelische Schmerzen zufügen. Versucht, diese Angst anzunehmen, da sie ein Teil von euch ist, der Aufmerksamkeit braucht.

 

Deutet den Schmerz aus eurer heutigen Sicht erneut und versucht, zu verstehen, dass ihr damals nicht anders reagieren konntet, beim erneuten Betrachten jedoch ein besseres Verständnis dafür zeigt. Geht aus der Opferrolle heraus und vergebt diesem Erlebnis, um euren inneren Frieden zu finden.

 

Orientiert euch an Menschen, die selbst diese Fesseln getragen haben oder noch tragen. Sucht euch Hilfe und Unterstützung für die Aufarbeitung eurer Ängste, wenn ihr es allein nicht schafft. Zeigt hierbei keine Scham, sondern stellt euch offen euren Problemen.

 

Eure innere Bereitschaft, Durchhaltevermögen, weil es eine sehr intensive Zeit wird, und viele kleine Schritte können euch aus der Angst befreien und somit ein befreites Leben im Licht führen lassen.

 

Herzlichst, Margit Schadwill

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Dieter Helmer (Dienstag, 07 Februar 2017 20:22)

    Ich habe auch lange Jahre meine Seele mit meinen Ängsten gequält und mein Angstpaket, das ich mit mir herumtrage, wurde immer größer und schwerer. Nun fasste ich den Entschluss, dass ich so nicht mehr weiter machen will. Daher werde ich mein Angstpaket aufschnüren und mich Schritt für Schritt meinen Ängsten stellen. Mir ist klar, dass es vieler kleiner Schritte und eines großen Durchhaltevermögens sowie viel an Zeitaufwand bedarf, um mich von meinen Ängsten zu befreien. Aber ich nehme dies auf mich, denn ich habe ein Ziel vor Augen: Nämlich ein befreites Leben ohne Angst, dafür in Glück, Liebe und Frieden.